Trockenere Sommer in Sicht

So veränderten sich die Niederschläge im Juni, Juli und August seit den 1990er Jahren gegenüber dem langjährigen Mittel: Rund um die Nordsee nahm der Regen teils um 30 Prozent zu, im Süden dagegen wurde es erheblich trockener.
Grafik: University of Reading

Wassertemperatur des Nordatlantik regelt das Klima in Westeuropa

Der Sommer 2012 ist nicht gerade in guter Erinnerung geblieben: Regen, Gewitter und herbstliche Temperaturen prägten in Westeuropa das Bild. England erlebte sogar den nassesten Sommer seit 100 Jahren. Schuld, sagen jetzt die britischen Forscher Rowan Sutton und Buwen Dong, waren warme Wassertemperaturen im Nordatlantik. Eine mehrere Jahrzehnte dauernde natürliche Klimaschwankung, die die Temperaturen im Ozean zwischen warm und kalt pendeln lässt, steuert der Untersuchung der beiden zufolge maßgeblich das Klima im Westen Europas.

Während die warme Phase dieser sogenannten Atlantischen Multidekaden-Oszillation (AMO) Nordeuropa ein trockenes, warmes Frühjahr und einen verregneten Sommer beschert, sind für Südeuropa besonders heiße Sommer typisch, berichten Sutton und Dong. Wenn die Wassertemperaturen im Atlantik warm sind, bildet sich über Westeuropa ein Tiefdruckgebiet, das feuchte Meeresluft direkt zu den britischen Inseln und nach Skandinavien leitet. In Deutschland regnet es vor allem an den Küsten und im Nordosten mehr als üblich, während Spanien, Italien und Griechenland von Trockenheit heimgesucht werden.

Die Forscher werteten mehrere Datensätze mit Wetteraufzeichnungen aus und verglichen die Muster mit den Voraussagen von Klimamodellen. Der Wechsel von der kalten Phase der Oszillation in die derzeitige warme Phase ereignete sich demnach Mitte der 1990er-Jahre. Von 1960 bis 1995 hatten im Nordatlantik kalte Temperaturen vorgeherrscht. Doch davor, von 1930 bis 1960, waren die Wetterverhältnisse von ähnlichen Mustern geprägt wie in den letzten Jahren.

Die Forscher halten es für wahrscheinlich, dass das Pendel demnächst wieder zurückschwingt. "Ein Umschwung zu einem kühleren Nordatlantik ist wahrscheinlich und könnte sehr schnell vor sich gehen", sagt Sutton. "Das würde trockenere Sommer in Großbritannien und Nordeuropa begünstigen. Aber es ist schwer vorherzusagen, wann das genau passieren könnte." Der letzte Wechsel von der warmen zur kalten Phase vollzog sich innerhalb von nur zwei oder drei Jahren.

Die Ursachen für die Atlantische Multidekaden-Oszillation sind bislang unklar. Paläoklima-Daten zeigen allerdings, dass der Atlantik schon seit Jahrtausenden alle paar Jahrzehnte von einer ungewöhnlich warmen in eine ungewöhnlich kalte Phase fällt. In den letzten Jahrzehnten wird dieser natürliche Rhythmus allerdings durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung überlagert. Auch andere Faktoren, etwa die Luftverschmutzung, könnten den Zyklus beeinflussen.

 


Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/316263.html

[10.10.2012]


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